Goldberg365_337_17.Feb.2017

SERIE: GOLDBERG 365

Central, der dreieckig geformter Platz in Zürich ist ein Knotenpunkt für unterschiedlichste Tramlinien, die sich hier kreuzen. Und er verfügt über ein Dach mit runden Ecken.

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Nummer: 365_337

 Datum: 17.02. 2017

 Uhrzeit Beginn : 12.40

 Uhrzeit Ende: 13.22

 Dauer: 42 Min.

 Land : Schweiz

 Stadt/Ort: Zürich

 Adresse : Central

 Geoposition : 48°13’34.25″N    16°30’27.18″E

 Fassung : Glenn Gould

 Sound via : Kopfhörer

 Partner/

Kollaborationen:

 Wetter : Sonne

 Temperatur : 3 Grad

 Stichworte : King Kong,Tramlinie, Sitzbank

 Streaming : –,   replay

 Zeugen: PassantInnen

 Raummarker: Stephanie Rauch

 

Das Dach ist heute wichtig, weil es rundherum in Strömen schüttet. Um einen Billettautomaten herum ist auch ein Briefkasten angeordnet. Stabil und goldgelb steht er hier vor einer der Stützsäulen und einem metallenen Müllbehälter.

Weiter zum Zentrum die um diese Zeit vollbesetzten Cafés einer Pizzeria, deren Wirt immer wieder aus seinem gläsernen Pavillon herausgehastet kommt und mit Rufen und lautem Klatschen ein paar vereinzelte Tauben verscheucht, die sich aber regelmässig wieder einfinden.

Choreografien des Wartens rund um mich herum. Eine Frau steht mit einem Anzugs-Kleiderhalter still wie eine Skulptur.

Schirme prägen das Bild, Schirme von Leuten durch den Raum getragen.

Eine Frau steht mit mit gekreuzten Beinen auf hochhackigen Schuhen, wie eingefroren,

den Blick nach innen gerichtet.

Ich übernehme die Beinstellung, variiere sie auf engstem Platz.

Gekreuzte Beine,

rechter Fuss hinter linkem.

Linker Fuss hinter rechtem.

rechter Fuss hinter linkem.

Linker Fuss hinter rechtem.

Drehung.

Hinter Tramlinien und Strasse wird gerade ein junger Mann von Polizisten angehalten und durchsucht, was er widerwillig über sich ergehen lässt.

rechter Fuss hinter linkem.

Linker Fuss hinter rechtem.

rechter Fuss hinter linkem.

Linker Fuss hinter rechtem.

Drehung.

Die extralange Sitzbank gegenüber wird nur von einem einzigen Mann genutzt. Unter einer Plakat-Serie, die King Kong auf einer Insel als Film ankündigt sitzt er mit langgestreckten Beinen. Er trägt einen Hut und lange weisse Haare.

Ein auffallender Mann erscheint nun, eine orange Regen-Pelerine tragend. Das besondere daran ist, dass sie auch für einen Rucksack Platz macht, sodass der Mann sich wie ein grelles Objekt unförmig durch die Menschen bewegt.

Der Weisshaarige hält unterdessen etwas vor sein Gesicht, das von Weitem wie eine Flasche wirkt. Er bleibt aber in dieser Pose, sodass ich zuerst vermute, dass er ein seltenes Telefon verwendet und sich filmt obwohl er einfach in einer Phase endlosen Trinkens verharrt. Plötzlich sehe ich ihn auf mich zukommen, eine halb ausgetrunkene Rotweinflasche in der rechten Hand. Sein Gang wirkt seltsam schlurfend und gleichzeitig rhythmisiert. Direkt neben mir dreht er sich und stellt die Flasche in den Müllbehälter, dreht ab und geht in seinem gestelzten Rhythmus zur Ampel vor, wo ich ihn aus den Augen verliere.

Goldberg365_336_16.Feb.2017

SERIE: GOLDBERG 365

Nebelfeuchte Luft durch die gerade die Sonne bricht. Der Blick über die künstliche, grossteils gefrorene Wasseroberfläche erinnert an einen Salzsee.

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Nummer: 365_336

 Datum: 16.02. 2017

 Uhrzeit Beginn : 12.51

 Uhrzeit Ende: 13.33

 Dauer: 42 Min.

 Land : Österreich

 Stadt/Ort: Wien

 Adresse : aspern Seestadt

 Geoposition : 48°13’34.25″N    16°30’27.18″E

 Fassung : Glenn Gould

 Sound via : Kopfhörer

 Partner/

Kollaborationen:

 Wetter : Sonne

 Temperatur : 0 Grad

 Stichworte :

 Streaming : –,   replay

 Zeugen: PassantInnen

 Raummarker: Stephanie Rauch

 

Die Kiesel auf der Uferböschung knirschen bei jedem Schritt. Unter den Blicken eines neugierigen Entgegenkommenden packe ich den Marker aus und lege ihn so aus, dass er die Eisfläche mit der Böschung verbindet.

 

Ein Krähe sitzt auf einem Zierbaum. Ich entdecke sie beinahe zum selben Zeitpunkt, zu dem ich mich hüpfend auf einem Bein auf einer krummen Linie knapp oberhalb des Eises bewege. Selber Vogel. Den zweiten Fuss setze ich immer verzögert auf.

Einige Meter vom Ufer entfernt liegt eingefroren ein Fussball. Unweit von ihm eine schmale Wasserrinne, nicht gefroren, die den Blick auf den an dieser Stelle ebenfalls gekiesten Grund freigibt. Am Horizont die Silhouette eines Spaziergängers und am anderen Seeufer, diejenige eines Hundebesitzers und seines Tiers.

 

In der Ferne Häuserblöcke als geometrische Volumen, fast wie Spielzeug, während sich unmittelbar hinter mir sich die Betonmasse der U-Bahnstation befindet.

Ich vertiefe mich in langsame, flüssige Bewegungen. Verschiebe mein Körperzentrum, vor und zurück, beginne, abwechselnd für lange Sequenzen die Beine zu kreuzen, den Oberkörper nach vor geneigt.

Immer wiede der Blick auf die an der Oberfläche feucht und porös wirkende Eisfläche, die sich in sanften hellblauen und türkisfarbenenen Tönen erstreckt. Auf der nahen Brücke stehen plötzlich drei Zuseher, zwei davon sind Schulmädchen, beobachten mich in der Glocke meiner Rhythmen, in der Spannung und Entspannung, die die Neigung meines Körpers im Becken produziert. Ich stütze mich mit Fäusten auf den Kieselsteinen auf. Sobald ich die eine Hand oder die andere hebe, sehe ich den weisslichen Staub auf den Handschuhen.

Öffnende und schliessende Bewegungen. Arme wie Flügel, hängend nun, aber auch schwingend nach aussen und oben als ich mich nun erhebe. Die ZuschauerInnen sind weg, nur gleissendes Licht.

 

Gleissendes Licht.

Gleissendes Licht

 

Von der gegenüberliegenden Seite tauchen zwei Mädchen auf, die ohne zu zögern über die Eisfläche schreiten.

Gehen über Wasser.

Hinter mir Schritte im Kies. Ein Junge, ca. 5 Jahre alt und einer wohl um die 14 Jahre erscheinen. Der kleinere kickt eine Dose, die am Ufer liegt aufs Eis, der ältere folgt ihm, steigt behutsam auf die Fläche, bückt sich und hebt die Dose auf, behält sie in Händen bis beide einen Mülleimer erreichen und er sie dort einwirft.

 

Gleissendes Licht.

Gleissendes Licht

 

Die Kräne einer neuen Baustelle. Lastwagen, Bagger, etwas entfernt die U-Bahn.

Goldberg365_335_15.Feb.2017

SERIE: GOLDBERG 365

 Seratonin beamt immer an denselben Ort

EAT THE RICH

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Nummer: 365_335

 Datum: 15.02. 2017

 Uhrzeit Beginn : 14.51

 Uhrzeit Ende: 15.35

 Dauer: 44 Min.

 Land : Österreich

 Stadt/Ort: Wien

 Adresse :

 Geoposition : 48°12’15.35″N    16°21’38.16″E

 Fassung : Glenn Gould

 Sound via : Kopfhörer

 Partner/

Kollaborationen:

 Wetter : Sonne

 Temperatur : 3 Grad

 Stichworte :Gewicht, Schriftzug, Schulter

 Streaming : –,   replay

 Zeugen: PassantInnen

 Raummarker: Stephanie Rauch

 

 

Glanz auf den Schienen.

Eine U-Bahn braust unter der Brücke hervor.

Legt sich in die weite Kurve.

Hütteldorf

 

Sie trägt den Schriftzug mit sich

Eine ganze U-Bahn

Schriftzug

Schriftzug

 

Entschwindet in die Kurve

Hütteldorf

 

HÜTTELDORF

 

Entschwindet

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Glanz auf den kleinen Wellen

Des Wien-Flusses

 

Der Glanz der ersten Frühlingsandeutung.

 

Ich sonne meine Hände.

Ich sonne meine Hände.

 

Silbern

Silbern

 

EAT THE RICH

EAT THE RICH

 

Licht auf Wangen

Licht auf Wangen

 

 

Beruhigend die Stimme einer Frau, die in ein Telefon spricht.

Beruhigend.

 

Bis die Stimme plötzlich weg ist

Bis die Stimme plötzlich weg ist.

 

Sie fehlt

Sie fehlt

 

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Ein Rabe im Wipfel eines Baumes voller Ast-Stutzen.

Der Rabe plustert seine Federn.

 

Alle wenden ihr Gesicht der Sonne zu

Alle wenden ihr Gesicht der Sonne zu

 

Die Frau auf der Parkbank schräg hinter mir.

Sie döst, dunkle Brille, die Hände

mit nach oben gerichtetn Handflächen

auf die Knie gelegt.

 

Ein Hund rennt aufgeregt.

Kinder laufen aufgeregt.

 

Das Wasser fliesst ruhig

Das Wasser fliesst ruhig

 

Gegenüber rauschen die Autos

Gegenüber rasuchen die Autos

 

Träge strecken die Häuser sich der Sonne entgegen

Träge srtecken die Häuser sich der Sonne entgegen

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Mit halbgeschlossenen Augen

Mit halbgeschlossenen Augen

 

Weit ins Licht gelehnt

Weit ins Licht gelehnt

 

Suche GEWICHT

Suche GEWICHT

 

Den Kopf nach vor geneigt

Den Kopf nach vor geneigt

 

Schriftzug verschwindet

Schriftzug verschwindet

 

Schulter schräg

Schulter schräg

 

Ein Schritt

Ein Schritt

 

Hände aufs Geländer und Brust auf Hände gestützt

Hände aufs Geländer und Brust auf Hände gestützt

 

Rechtes Knie hinter linkes Knie

Rechtes Knie hinter linkes Knie

Goldberg365_334_14.Feb.2017

SERIE: GOLDBERG 365

Ein Tag an dem die Tauben promenieren, locker landen sie an der Sonne, keck, zwei, drei, dann ein ganzer Schwarm, erheben sich als Wolke wenn sich PassantInnen nähern, jemand mit einem Rollkoffer oder eine Frau mit Hund.

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 Nummer: 365_334

 Datum: 14.02. 2017

 Uhrzeit Beginn : 10.38

 Uhrzeit Ende: 11.22

 Dauer: 44 Min.

 Land : Österreich

 Stadt/Ort: Wien

 Adresse : Ceija Stojka Platz

 Geoposition : 48°12’26.81″N    16°20’35.26″E

 Fassung : Glenn Gould

 Sound via : Kopfhörer

 Partner/

Kollaborationen:

 Wetter : sonnig

 Temperatur : 3 Grad

 Stichworte :

 Streaming : –,   replay

 Zeugen: PassantInnen, AutofahrerInnen

 Raummarker: Stephanie Rauch

Ich benötige mehrere Versuche, den Marker aufzulegen, jedesmal fährt der Wind hinein und verwirft ihn. Erst als ich mir schon überlege, überhaupt mit dem Marker in Händen zu arbeiten, legt sich der Wind – und in der Folge der Marker auf den Boden.

Der Boden auf dem ich stehe, hat einen Namen. Noch frisch hängt die Tafel an einem Laternenmasten. Ceijka Stojka, Überlebende mehrere KZ´s. Strenge Schatten, und das Licht auf diese Erinnerung am sonnigen 14. Februar 2017.

Ich bewege mich kaum von meiner Position. Ich stehe, experimentiere mit Verhältnissen von Beckenpositionen und Füssen. Verschiebungen auf allen drei Achsen, wann „stimmt „ eine Position? Wann denke ich sie stimmt und wann stimmt sie wirklich?

An der Mauer, hoch oben hängt ein Mann an Seilen und repariert Löcher im Verputz. Ein zweiter Mann reicht ihm einen Eimer und assistiert ihm von einem darüber gelegenen Fenster aus. Ich entdecke noch einen dritten, der ähnlich ruhig steht, wie ich und die Szenerie beobachtet – er hält sich zwanzig Meter weiter entfernt auf, lehnt sich zuerst an ein Firmenfahrzeug, dann an die besonnte Kirchenmauer.

Ich räkele meinen Rücken, oder vielmehr untersuche die Dehnung des linken Arms nach hinten ungefähr auf Brusthöhe. Eine junge Frau beobachtet mich im Vorübergehen und lächelt mich an. Ihr Lächeln bleibt stehen, selbst als sie schon verschwunden ist.

Im Würstelstand unmittelbar vor mir entdecke ich drei Gläser mit Eingemachtem, Essiggurkerln, Paprika, Karotten.

Was verändert sich, wenn ich in einer gegebenen Position das Becken nach hinten schiebe? Wie gross sind meine Spielräume? Warum schmerzt mich die rechte Hüfte?

Was kann ich tun, mich an diesen Schmerz heranzuarbeiten?

Eine ganze Gruppe von Menschen nähert sich. Von der Kirchenmauer löst sich die Gestalt eines Mannes, der zur gerade anhaltenden Tram rennt, weisse Wolken aus seinem Mund ausstossend, sodass mir nicht klar ist, ob er raucht. Die Menschengruppe hält nun direkt vor mir, unterteilt in kleinere sich unterhaltende Konstellationen.

Goldberg365_333_13.Feb.2017

SERIE: GOLDBERG 365

 Unter der nun auf 4 Grad angestiegenen Temperatur schmilzt die gefrorene Oberfläche. Der Boden wird feucht. Profile ovn Fahrradreifen und Schuhen sind über die gesamte Strecke der Abkürzung verfestigt. Ein Print der alltäglichen Nutzung. Der Pfad führt quer durch eine nur mit niedrigen Büschen karg bewachsene Fläche hinunter zu den Zugängen der U-Bahnstation, die hinter dem Wendekreis der Tram liegen.

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Nummer: 365_333

 Datum: 13.02. 2017

 Uhrzeit Beginn : 13.20

 Uhrzeit Ende: 14.03

 Dauer: 43 Min.

 Land : Österreich

 Stadt/Ort: Wien

 Adresse : Hausfeldstrasse / U2

 Geoposition : 48°13’58.26″N    16°29’12.78″E

 Fassung : Glenn Gould

 Sound via : Kopfhörer

 Partner/

Kollaborationen:

 Wetter : sonnig

 Temperatur : 4 Grad

 Stichworte : Fuss, Unterschenkel, Knie

 Streaming : –,   replay

 Zeugen: PassantInnen, AutofahrerInnen

 Raummarker: Stephanie Rauch

 

Weiss flutet Sonnenlicht, lässt den Acker dampfen, der hier eine Leerstelle in der wachsenden Stadt markiert.

Unablässig takten die Ampeln den Verkehr. PKW´s und Lastwagen bremsen, halten, warten, starten ihre Motoren und fahren weiter.

Ein Mann in einem roten, wattierten Parka, dessen Kapuze mit Pelz umfasst ist, nähert sich, rundliche Gestalt, trägt schwarze Jeans und Sportschuhe. Seine Jacke wird rückseitig schräg von einer gefalteten Zeitung gehalten, die er in die Gesässtasche seiner Hose gesteckt hat, ein U-Bahnblatt. Er bleibt bei der Ampel stehen, sieht sich suchend um, kommt zurück.Im Vorbeigehen sehe, dass er mit einem Stift auf einen kleinen Block malt, wie ihn Kellner verwenden um Bestellungen aufzunehmen, oder diese beim Abrechnen zusammenzuzählen. Ich erkenne viereckige Formen, eine Art Plan.

Erneut geht er an mir vorüber und kehrt etwas später in Begleitung einer jungen Frau zurück, auch sie von rundlicher Gestalt, fülliger als die seine, die Knie nach innen gewandt geht sie mit kleinen Schiritten neben ihm her.

Ich selbst bewege mich eher nur kleinräumig am oberen Ende des Markers, den ich auf den aspahltierten Gehsteig ragen lasse, wo kreisförmige,blau-weisse Icons für Fahrradfahrer und FussgängerInnen auf dem Belag prangen.

Ich untersuche den Spielraum, den mir bestimmte Grundpositionen mit den Füssen geben, die ich rechtwinklig zueinander positioniere, und jeweils die Distanzen zwischen ihnen verändere. Ich schiebe mein Gewicht völlig auf den linken Fuss, hebe den rechten, kreuze den Unterschenkel ihn hinter und unterhalb des linken Knie´s , sinke leicht tiefer, gebe kleine Impulse mit dem Becken. Ich bin ganz vertieft in meine Forschung. Beiläufig sehe ich, wie mein Paar, er mit der roten Parka, sie mit einem schwarzen, gemeinsam in einer der Toiletten unten bei der U-Bahnstation verschwindet.

Einige Zeit später kommen sie wieder zum Vorschein, watscheln langsam zur Haltestelle unter der Brücke. Ich sehe noch, wie er mit beiden Händen ihren Kopf fasst, liebevoll eigentlich, auf sie einredet, dann wende ich mich ab und wieder dem Fluss meiner Bewegungen zu.

 

 

Goldberg365_332_12.Feb.2017

SERIE: GOLDBERG 365

 Eine noch halb intakte Wohnlandschaft vor der Betonmauer der Bahnanlage mit der russischen Schrift darüber setzt einen seltsamen Akzent in den beinahe verlassenen Platz.

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Nummer: 365_332

 Datum: 12.02. 2017

 Uhrzeit Beginn : 15.48

 Uhrzeit Ende: 16.32

 Dauer: 44 Min.

 Land : Österreich

 Stadt/Ort: Wien

 Adresse : Matzleinsdorferplatz

 Geoposition : 48°10’46.98″N    16°21’30.39″E

 Fassung : Glenn Gould

 Sound via : Kopfhörer

 Partner/

Kollaborationen:

 Wetter : bedeckt

 Temperatur : 2 Grad

 Stichworte : VOLVO, BMW, MERCEDES

 Streaming : –,   replay

 Zeugen: PassantInnen,

 Raummarker: Stephanie Rauch

 

Gegenüber der verlassen dastehenden, schwarzen Kunstleder- Sitzgarnitur steht ein fünfachsiger VOLVO 460 Lster. Am oberen Ende des Platzes sprechen zwei jüngere Männer, von denen der eine eine einen Mercedes fährt.

Ein schwarzer BMW biegt schnell auf den Platz ein, stösst sich dabei die Schnauze am Boden. Als ob das Geräusch ein Signal wäre, verabschiedet sich deiner der Männer hastig, springt in seinen mecedes, ebenfalls schwarz und fährt los.

Im Gehen die richtige Bewegung finden, in den Kurven, Drehungen initiieren. Ich stehe auf einem Bein, hebe das andere, das rechte und spiele mit unterschiedlichen Winkeln, in denen ich es vom Körper wegstrecke, mit unterschiedlichen Biegungsgraden.

Drei Männer kommen vom Bahnhof. Einer imitiert mich, ich lache, winke, die Männer nähern sich, einer reicht mir die Hand. Der Imitator wendet sich der Sitzgarnitur zu, spricht mich in einer Sprache an, die ich nicht verstehen, ja nicht einmal zuordnen kann.

„Kaputt!“, sagt er dann, ich nicke, „Ja , kaputt!“. Darauf ziehen die drei wieder ab, verschwinden hinter dem Lastwagen.

Über mir fliegen Flugzeuge Richtung Ost-Südost, im Landeanflug auf Schwechat. Die Spätnahmittagsmaschinen.

Im Westen zeigt sich ganz kurz die Sonne als fahle Scheibe, die sofort wieder von Wolken verdeckt wird.s

Der BMW in den sich die zwei Männer zurückgezogen haben sendet immer mal wieder Signale. Die Nummernschildbeleuchtung geht an und aus. Die Bremslichter leuchten auf.

Der Rückwärtsgang wird eingelegt, ohne, dass sich das Fahrzeug bewegt.

Ich überrasche mich mit schnellen Sequenzen, fliege über den Kies, werfe mich herum, atme in kalte Windböen. Blumen 2000, das Geschäft hat auch am Sonntag geöffnet und regelmässig parken Fahrzeuge, Menschen steigen aus, gehen ins Innere, kommen mit verpackten Sträussen heraus.

Mitten in die finale Aria beginnt Glockengeläute, laut und übertönend aus der Kapelle im Friedhof schräg gegenüber. „ Totenglocken“ schiesst mir durch den Kopf und Tränen in die Augen. Wer ist hier gemeint? Fassunslos weine ich, drehe mich, stelle mich vor das kapuutte Sofa, hoffe, dass niemand mich sieht, unterdrücke das Weinen schliesslich, trockne mir die Tränen, immer noch ängstlich, jemand könnte mich sehen und für völlig verrückt halten.

Goldberg365_331_11.Feb.2017

SERIE: GOLDBERG 365

 Die Bänke stehen unbenutzt, rahmen einen kleinen Platz auf dem Platz, der wiederum in weitere Plätze aufgeteilt ist. Unterhalb ein eingezäuntes Feld mit Hochbeeten, oberhalb eines mit drei Efeuüberwucherten Sträuchern und – einem Schneemann drin.Bei näherem Hinsehen zeigt sich ein Rabe, der auf dem Kopf des Schneemannes hockt und mit seinem Schnabel Schneestücke heraushackt.

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Nummer: 365_331

 Datum: 11.02. 2017

 Uhrzeit Beginn : 14.55

 Uhrzeit Ende: 12.57

 Dauer: 43 Min.

 Land : Österreich

 Stadt/Ort: Wien

 Adresse : Albertplatz

 Geoposition : 48°12’50.19″N    16°20’37.31″E

 Fassung : Glenn Gould

 Sound via : Kopfhörer

 Partner/

Kollaborationen:

 Wetter : bedeckt

 Temperatur :  1 Grad

 Stichworte : Rabe,Schneemann, Sitzbank,

 Streaming : –,   replay

 Zeugen: PassantInnen,

 Raummarker: Stephanie Rauch

 

Der Himmel verdüstert sich, immer wieder fallen heftige Böen ein.

Der Rabe schwingt sich auf und fliegt weg.

Die Umgebung zerbricht in Blickfragmente. Das ausgebaute oberste Stockwerk eines Gemeindebaues. Eine Skulptur ein paar Autodächer überragend. Das Fahrradschloss, mit dem das Tor zum Garten gesperrt ist. Container für die Müllsammlung.. Die aufgesprühten Schriften auf der rötlichen Hauswand direkt vor mir. Die Architektur der noch verbliebenen älteren Häuser und diejenige der neu hinzugebauten. Die Unregelmässigkeit des Kopfsteinpflasters, auf dem ich mich bewege. Die Werbung für ein chinesisches Studio „LOTUS“ im Schaufenster eines der älteren Gebäude. Die österreichische Fahne auf Halbmast auf dem Dach desselben.

Ich lege den Kopf leicht in den Nacken, blicke auf, zum Himmel. Grau. Graue Töne. Wolkiger Nebel, Treibender wolkiger Nebel. Ein einzelnes, offenes Fenster. Im Inneren eines Raumes brennt Licht. Die Zeit bewegt sich langsam an diesem Nachmittag. Gedehnte Zeit. Geparkte Autos in gedehnter Zeit. Die Sprühzeichen an der Wand, gedehnt. Der Laut, mit dem die Deckel von Müllcontainern zufallen. Gedehnt. Der beobachtende Blick von Passanten, die den Kopf drehen, gedehnt.

Ein Auto blinkt, biegt rechts ein, findet einen Parkplatz. Der Fahrer steigt aus. Ich drehe mich nach links, gedehnt. Später sehe ich den Mann gehen mit einer Menge von Skistöcken, die er zu einer Art Arrangement geordnet hat und nur in der einen Hand hält. Eine gehende Skulptur. Die Stöcke sind weiss, Schwarz, rot, gelb.

Ich stütze mich nun mit beiden Händen auf eine der Sitzbänke, neige den Kopf , strecke das rechte Bein in die Höhe und lasse es diagonal zur linken Hüfte ziehen, was eine angenehme Dehnung im Rücken und auf der Innenseite des Oberschenkels erzeugt. Als ich langsam wieder ins Stehen komme und mich umdrehe biegt ein Paar mit Kinderwagen ein. Ich bin etwas überrrascht, hatte mich beinahe daran gewöhnt, hier alleine zu sein. Die Frau bleibt stehen, der Mann setzt sich auf eine Bank. Ich drehe mich in kleinen Schirttten weiter. Mit dem nächsten Windzug erhebt sich der Mann, und beide machen sich wortlos wieder auf den Weg.