Goldberg365_358_10.März2017

 

Die Tankstelle kreiert eine Lichtinsel, die immer wieder Autos einsaugt und ausspuckt.

Im Hintergrund blau leuchtende Laufschriften, die vermutlich die Vorteile des Autowaschens preisen.

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SERIE: GOLDBERG 365

 

Nummer: 365_358

 Datum: 10.03. 2017

 Uhrzeit Beginn : 21.07

 Uhrzeit Ende: 21.51

 Dauer: 44 Min.

 Land : Österreich

 Stadt/Ort: Wien

 Adresse : Oberzellergasse

 Geoposition : 48°11’37.10″N    16°23’50.03″E

 Fassung : Glenn Gould

 Sound via : Kopfhörer

 Partner/

Kollaborationen:

 Wetter : bewölkt

 Temperatur : 04 Grad

 Stichworte : Lichtinsel, Körperwärme, Sicherheitsrisiko

 Streaming : —   — replay

 Zeugen: PassantInnen, AutofahrerInnen

 Raummarker: Stephanie Rauch

 

Der Wind attackiert auch heute heftig, fällt ein in die Strasse, treibt die Kälte in die Kleider. Auf – und Ab- Gehen als Strategie zur Erhaltung der Körperwärme. Manchmal nähern sich schubweise ein paar Leute, drücken sich an mir vorbei. Ich stehe im Weg. Es ist ihnen unangenehm, mir zu begegnen. Am liebsten würden sie niemandem begegnen. Es ist dunkel, es ist Nacht. Fremde Männer, die herumstehen sind ein Sicherheitsrisiko, zumindest potentionell. Besonders, wenn sie sich leicht seltsam verhalten, undefinierbare Bewegungen fabrizieren, sodass man nicht weiss, ob sie betrunken , gefährlich, oder verrückt und harmlos sind. Der Wind drückt den Marker gegen zwei dornige Büsche auf der erhöhten Blumenrabatte.

 

Eine ziemlich dünne junge Frau geht telefonierend im Neon-Lichtschein der Tankstelle auf und ab, blickt sich suchend um. Plötzlich beschleunigt sie sich, geht zielstrebig mit dem im Gegensatz zu ihr ziemlich fetten Hund die Strasse hinunter.

 

Ich finde eine Nische, vor einem zweiflügeligen Schaufenster hinter dem Kindermode hängt und in einigen Körben Bälle sichtbar sind. Hier ist es windgeschützter und es ist mehr vom Himmel sichtbar. Der Wind treibt seltsam orange schimmernde Wolkenfetzen hinter schwarzen Baumsilhouetten hervor, unheimlich wirkt das. Von rechts driftet eine riesige Wolke heran, sie ist dunkel, grün, grau und lichtabsorbierend, schluckend zieht sie vorbei, driftet schnell hinters Hausdach. Der Wind drängt sich in meine Versteck, schüttet kalte Luft in mein Gesicht. Vereinzelt blinken ein paar Sterne im Dunkel.

 

Ein junger Mann schiebt sein Fahrrad in die neonbeleuchtete Fläche der Tankstelle, legt es vor den Luftautomaten auf den Boden, schnappt sich ein Gerät mit komprimierter Luft, klinkt es aus, verbindet es mit dem Ventil und beginnt den Reifen zu pumpen.

 

Die ziemlich dünne junge Frau mit dem ziemlich dicken Hund kommt zurück – in Begleitung eines jungen Mannes, dessen Baseball-Mütze nach hinten weist, während die ihre nach vorne sticht. Er hat den Hund an der Leine und sie gehen die Strasse hinauf.

 

Die Scheinwerfer eines weissen BMW, der die Tankstelle verlässt erfassen mich kurz, ein Mann mit einem Bullterrier an der Leine geht in genaud diesem Augenblick ganz nahe an mir vorüber, sodass er mich beinahe streift.

 

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