Goldberg365_359_11.März2017

Das Baugitter schliesst nicht ganz mit der Hauswand ab, kreiert einen keilförmigen, unscheinbaren Raum.

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SERIE: GOLDBERG 365

 

Nummer: 365_359

 Datum: 11.03. 2017

 Uhrzeit Beginn : 15.17

 Uhrzeit Ende: 15.59

 Dauer: 42 Min.

 Land : Österreich

 Stadt/Ort: Wien

 Adresse : Gusshausstrasse

 Geoposition : 48°11’47.60″N    16°22’11.91″E

 Fassung : Glenn Gould

 Sound via : Kopfhörer

 Partner/Kollaborationen:

 Wetter : bewölkt

 Temperatur : 04 Grad

 Stichworte : Baugitter, Textur, Augenwinkel

 Streaming : —   — replay

 Zeugen: PassantInnen, AutofahrerInnen

 Raummarker: Stephanie Rauch

 

 

Ich hänge den Marker in den Wind, wende mich der Sonne zu, die in einem Spektakel mit Wolken ihren Weg zieht. Wärme. Flutet.

Grelles Licht zeichnet die Textur der umgebenden Häuser heraus. Jedes Haus drückt aus:“Haus! Haus bin ich, hier stehe ich!“ Haus um Haus. Häuserreihe. Die Strasse entlang.

Vor den Häusern stehen geparkte Autos. Sie drücken aus: Auto, ich bin ganz Auto.

 

Ich stehe nicht so sicher, wie die sich als sich selbst ausdrückenden Gebäude und Autos. Allerdings spüre ich mein Gewicht mit ebenso überdeutlicher Schärfe und Präzision auf dem Asphalt aufsetzen und in den Boden übergehen. Mein Schatten fällt auf den Marker, den der Wind immer wieder hochhebt.

Neben einem Plakatständer hält ein Mann mit einem Fahrrad, küsst eine herbeigeeilte junge Frau, der Wind hebt ihre Haare, die zu sagen scheinen : „Haare, wir sind Haare!“

Das Paar trinkt aus einem Pappbecher, isst gemeinsam eine Banane. Dazwischen küssen sich die Beiden. Er kost ihren Kopf, streicht mit den Fingern über die Haare, die sich selbst benannt haben.

 

Langsam strecke ich den rechten Arm Richtung Haus, entlang des Baustellengitters, an dem noch die Klebstreifen abgerissener Plakate hängen.

 

Von gegenüber blicken die Fenster, die sagen :“Fenster, wir sind Fenster!“ auf mich. Wolken verstellen die Sonne und plötzlich ist es kühl. Wolken und die Sonne als weissliche Scheibe spiegeln sich in einer Pfütze, die sich als Pfütze bezeichnet. Sie schliess an ein Gewirr aus Brüchen und Rissen im Asphalt an. Ein Labyrinth, in dem ich mich augenblcikelich zu verlieren drohe.

 

Lose mache ich meine Hände zu Fäusten, locker pressen die Finger gegeneinander, der Daumen drückt anft auf den Zeigefinger.

 

Die Silhouette eines Kirchturms im Gegenlicht, grell leuchtet die Sonne nun unter der Wolke, die ganz Wolke ist hervor.

 

Aus den Augenwinkeln sehe ich einen Mann auf mich zu kommen. Während er vorübergeht riecht es nach Bier. Er hält eine kleine Flasche in der linken Hand. Sie sit voller Schaum, und nicht mal ein Drittel ist mit Füssigkeit gefüllt. Als ich mich umwende,sehe ich eine Tropfenspur, die dichter werden in einer kleinen Spirale in eine grössere Fläche mündet, Bier, das als Bier an den Rand des Gehsteigs fliesst. Jetzt erst entziffere ich das Geräusch der aufprallenden Flasche, das ich vorher zwar gehört, aber nicht zuordnen konnte.

 

Im Gegenlicht nähern sich nun rauchende Männer. Wenn sie den Rauch ausstossen zieht er in einer Art Heiligenschein um ihre Köpfe.

 

Mein Tanz sagt nicht „Tanz zu sich selbst“, mein Tanz ist wie der Rauch im Wind, er streicht um mich und zieht mit dem Wind.

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