Goldberg365_136_31.07.2016

Die Ampel leuchtet Rot. Kontinuierlich Rot. Sie leuchtet bei Tag und bei Nacht. Kein Verkehr mehr hier, den sie stoppen müsste. Im Gegenteil, der Platz wird zumindest temporär von Pflanzen überwuchert und als Territorium zurückerobert.

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SERIE          : GOLDBERG 365

 

Nummer         : 365_136

 Datum          : 31.07. 2016

 Uhrzeit Beginn : 14.58

 Uhrzeit Ende   : 15.38

 Dauer          : 40 Min.

 Land           : Österreich

 Ort/ Stadt    : Wien

 Adresse             : Landstrasser Gürtel

 Geoposition    : 48°11’20.44″N         16°23’29.68″E

 Fassung        : Glenn Gould

 Sound via      : Sony Mini Speaker

 Partner/

Kollaborationen: —

 Wetter         : sonnig, leicht bewölkt

 Temperatur     : 25 ºC

 Stichworte     : rote Ampel, Überwachungsdisplay,

          Streaming      : Periscope 9 live,   1 replay

 Zeugen        : Passanten, alter Mann im Fenster,

               Schwarzafrikaner im Fenster

 Raummarker: Stephanie Rauch

 

Der Schranken ist hochgeklappt, allerdings steht er hinter einem Absperrzaun. Unklar, ob die Kameras, überhaupt das ganze Überwachungsdisplay, noch funktional sind.

„slow“ habe ich als Untertitel auf Periscope angegeben. Und ich lasse mich in die Langsamkeit fallen.

Das Gewicht dem Boden geben. Dehnungen. Die sich seltsam anfühlende Stelle an der rechten Hüfte. Der steife Punkt am Rücken. Ein Lächeln. Die Nähe des Bodens. Blütenduft. Ein Hauch von Pisse. Daneben eine Brombeerhecke. Jemand hat Baum-Äste heruntergebrochen und einfach liegenlassen. So stehe ich im seltsamen Raum vor der Mac Donalds Reklame und dem Plakat von Kaiserin Sissi auf einem Pferd nebenan.

Ich spüre einen Blick auf mir. Hinter der Bahnlinie in einem Fenster der Wohnanlage, das offen steht, blickt ein bleich anmutender Kopf hinter einem Tischtuchartigen Vorhang hervor. Der alte Mann versteckt sich, äugt dann aber wie ein Kind von der anderen Seite des Vorhangs hervor. Er beobachtet mich über einen längeren Zeitraum.

Später öffnet sich das darunterliegende Fenster. Ein schwarzafrikanischer Mann, Smartphone in der Hand sieht heraus, sieht mir zu. Ich meine, Verwunderung in seinem Gesicht zu lesen. Von oben herunter beugt sich der alte Mann und scheint etwas zu sagen.

Eine Familie kommt , drei Mädchen und ihr Vater. Die Kinder tragen mit Wasser gefüllte Plastikflaschen. Schnell huschen sie an mir vorüber. Tun so, als ob sie mich nicht sähen. Sie schlüpfen schliesslich hinter ihrem Vater durch das Loch im Zaun und ich verliere sie aus dem Gesichtsfeld.

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