Goldberg365_167_31.Aug.2016

Ich stelle mich in an die Spitze einer dreieckigen Fläche von hohem Gras, welche durch Fussgängerpfade an ihren Seiten begrenzt wird. Die Grundlinie wird durch den Container gebildet, der mit Pfählen an der Seite bestückt ist, an denen sich Kletterpflanzen hochranken. Zuvor habe ich Äste gesucht und gebrochen, verwende sie als improvisiertes „Stativ“ fürs i-Phone.

img_1078 img_1077 img_1076 img_1075img_1080

img_1087 img_1081

img_1089 img_1079img_1074 img_1073

SERIE          : GOLDBERG 365

 

Nummer         : 365_167

 Datum          : 31.08. 2016

 Uhrzeit Beginn : 16.10

 Uhrzeit Ende   : 17.01

 Dauer          : 51 Min.

 Land           : Österreich

 Ort/ Stadt/    : Wien

 Adresse        : neben Praterautobahn

 Geoposition    : 48°12’2.02″N 16°25’36.44″E

 Fassung        : Glen Gould

 Sound via :  Phone

 Partner/Kollaborationen: —

 Wetter         : sonnig

 Temperatur : 23 ºC

 Stichworte     : Fussgängerpfad, Kletterpflanze, Arbeitskostüm

          Streaming      : Periscope 18 live, — replay

 Zeugen        : Frau mit Hund, Familie auf Rädern, 2 Vermessungsarbeiter

Raummarker: Stephanie Rauch

 

Eine Frau mit Hund nähert sich auf dem linken der beiden Wege und nimmt ihr Tier, nachdem er mich mit den Augen fixiert hat an die Leine. Beide gehen vorbei.

Ich beginne mit zwei Bewegungsvariationen nach Rückwärts, halte die Positionen, atme, verändere die Arme und Hände.

Stehe. Atme. Neige nur noch den Kopf nach hinten und wieder vor. Daraus entwickelt sich ein archaisches Ritual, mit wechselnden Hüpfrhythmen am Ort. Ich werfe den Oberkörper, lasse ihn kurz hängen, werfe ihn, lasse ihn durch das eigen Gewicht wieder hochschnellen, vor und zurück, vor und zurück, vor und zurück.

Tief und nach hinten, tief und nach hinten, tief und nach hinten. Ein Art Trance die mich umfängt, ein Kampf gegen eine Müdigkeit im Körper, immer wieder aus dem rebound Kraft schöpfen. Dazwischen minimale Bewegungen. Direkt neben dem Container zwei Arbeiter, der eine im orangenen Arbeitskostüm, der andere im Neongelben. Sie holen Instrumente aus einem roten Plastic-Koffer.

Trippelnde Schritte am Ort, ich plätte die Gräser zu einer ebenen Fläche, kämpfe mit dem Gleichgewicht, verliere jegliches Zeitgefühl. Pappeln umringen mich, ihre Blätter flattern. Ich hüpfe, tanze, lasse schliesslich Oberkörper und Kopf hängen. Ganz dünn und kaum hörbare Piano-Klänge. Als ich zum Telefon komme erklingt gerade die Arie. Die Übertragung endete nach 34 Minuten. Die Äste lege ich in „mein“ Geviert aus niedergetretenem Gras, falte den Marker zusammen, lege ihn ebenfalls hinein und stelle den verbliebenen langen Ast auf seine drei Zweige. Mein Ritualort.

Schreibe einen Kommentar