Goldberg365_193_26.Sept.2016

Unmittelbar vor Beginn der Performance ein Anruf. Die Ablehnung der Galerie für mein Vorhaben, dort eine Ausstellung aus dem Material der Goldberg365- Interventionen und der im Projekt involvierten Künstler zu machen. Diffuse Begründung.

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SERIE: GOLDBERG 365

 

Nummer: 365_193

 Datum: 26.09. 2016

 Uhrzeit Beginn : 16.54

 Uhrzeit Ende: 18.12

 Dauer: 78 Min.

 Land : Österreich

 Ort/Stadt : Wien

 Adresse : Leberstrasse

 Geoposition : 48°11’14.35″N    16°24’2.26″E

 Fassung : Liu Shinyue/Glenn Gould

 Sound via : Kopfhörer

 Partner/Kollaborationen: —

 Wetter : leicht bewölkt

 Temperatur : 16 ºC

 Stichworte: Versuch zu atmen

 Streaming : Periscope   33 live, 0 replay

 Zeugen: PassantInnen, Motorrollerfahrer

 Raummarker: Stephanie Rauch

 

Ich reagiere darauf leicht verzögert mit kindlichem Akt: Atem-Anhalten. Verdrängungsakt? Oder zumindest die Verhinderung, Ablehnungsschmerz spüren zu müssen. Und ein Schub Existenzangst.

Innerhalb welcher Ökonomien bewege ich mich? Möchte das Konzept mit ein paar Kollegen diskutieren und überprüfen.

Ich stehe also auf der Wiese, kämpfe um Konzentration, um Präsenz. Eine der Wirkungen des reduzierten Atmens ist ein Gefühl der Unkörperlichkeit.

Flucht aus dem Körper.

 

Also der Versuch, zu atmen.

 

Ein älterer Herr fährt mit seinem Motorroller neben ein einzeln parkiertes Auto der Marke Skoda. Er lädt waren aus einer Tasche und einem Hohlraum unterhalb des Sattels

um in den Kofferraum des Fahrzeugs. Dann, schon bereit wegzufahren, besinnt er sich anders, nähert sich und fragt, ob da einer schlafe, hinter dem Busch und blickt gleich selbst neugierig. Nur die Decke liege da, antworte ich. Worauf er entgegnet, ja, seit einigen Tagen. Der Rollerfahrerer scheint selbst öfter her zu kommen. Nun setzt er sich auf sein Gefährt, dreht den Zündschlüssel, wirf einen Gang ein und fährt los.

 

Also der Versuch, zu atmen.

 

Hinter dem Gemeindebau, dem Wildganshof, eine Wolkenkonstellation, die die Sonnenstrahlen bündelt und grafisch, wie einen abstrakten Heiligenschein in den Abendhimmel fluten lässt. Tröstlich, irgendwie.

Studenten und StudentInnen der nahen Schule gehen vorüber, blicken flüchtig her oder nicht einmal.

 

Also der Versuch, zu atmen.

 

Die Erzählung einer Angst in diesem Körper. Nicht expressiv. Das Narrativ der Erkundung, der Stadterkundung. Die Decke hinter dem Gebüsch, der Marker einer Obdachlosigkeit. Eine karge Stätte, die nur mehr kurz oder bereits nicht mehr Zuflucht bietet, nun da die Nächte feucht und kühl werden.

 

Also der Versuch, zu atmen.

 

Ein Exerzitium der Selbstbeobachtung? Ein äusserst flüchtiger 3. Raum, der sich temporär auffaltet. Zu subtil um anerkannt zu werden, als künstlerische Strategie? Keiner linear politisierbaren Strategie eines Aktivismus zuordenbar? Vielleicht noch als poetische Strategie?

 

Also der Versuch, zu atmen.

 

Eine Stelle der täglichen Verschränkung von persönlichem Leben und urbanem Leben.

Zwischen Beobachtungsposition und aktiver Setzung durch Bewegungen, durch Farbe im Gesicht.

 

Also der Versuch, zu atmen.

 

Die weissgelben Gräser um mich wiegen sich im Wind, kontrastieren scharf gegen die sich ausbreitende Abenddämmerung. Vier Punkte im Gesicht, Kamerafahrten, ein Auf Persicope ein Gespräch mit jemand aus Frankreich, sehr jung, aus einem Lycée, mit der Gewissheit, nach Deutschland zu fahren, nach Berlin, gemeinsam mit den Eltern. Wahrscheinlich bin ich älter als die Eltern. „Ist das Farbe im Gesicht?“, ja, na ja, Schminkfarbe.

 

Also der Versuch, zu atmen.

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