Goldberg365_195_28.09.2016

Achtung, Achtung! Die Warntafel gilt nicht nur für die Höhenbegrenzung von 4.3m, sondern signalisiert Gefahr. Die Gefahr kann durch vielerlei bestehen. Etwa durch mich.

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SERIE: GOLDBERG 365

 

Nummer: 365_195

 Datum: 28.09. 2016

 Uhrzeit Beginn : 21.39

 Uhrzeit Ende: 22.08

 Dauer: 29 Min.

 Land : Österreich

 Ort/Stadt : Wien

 Adresse : Hauptbahnhof, Einfahrt Tiefgarage

 Geoposition : 48°12’25.65″N    16°26’15.27″E

 Fassung : Liu Shinyue/Glen Gould

 Sound via : Kopfhörer

 Partner/Kollaborationen: —

 Wetter : leicht bewölkt

 Temperatur : 20 ºC

 Stichworte: Achtung, Securities ,

 Streaming : Periscope   — live, — replay

 Zeugen: Securities, Passanten, Hotelgäste

 Raummarker: Stephanie Rauch

Leicht versetzt und aufgeteilt in zwei Gruppen erscheinen sechs Securities. Vier davon tragen orange Warnwesten, zwei davon gelbe. Eine Frau ist auch dabei. Sie stellen sich in zwei Reihen vor mir auf, so dass sie mir jederzeit mögliche Fluchtwege abschneiden könnten. Die Frage der Sicherheit steht im Raum.

„Na, was soll das?, fragt der eine. Nach kurzem Zögern und weitermachen in meiner Instantbewegungschoreografie halte ich inne, nehme einen Stöpsel aus dem Ohr und frage freundlich nach: “Bitte?“ -Wozu soll das gut sein?“ kommt die Frage. Ich erkläre, dass es sich um ein Kunstprojekt handele. „Hier in der Einfahrt zur Garage? – Das ist doch viel zu gefährlich.“ – Es geht ein bisschen hin- und her – ich lege Wert darauf, NICHT in der Einfahrt zu stehen, im Gegensatz zu ihnen selbst, mache eine Bemerkung, dass Autofahrer schon manchmal blöde sind, aber kaum so blöd mich im deutlich markierten Eck anzufahren wohl nicht. Es endet, wo es enden muss – ich werde des Ortes verwiesen. Für ein Selfie sind sie nicht zu haben, tolerieren aber, dass ich sie von hinten fotografiere, „wenn ich es nicht ins Netz stelle“.

Anders als etwa der chinesisch-kanadische Künstler Ken Lum in den 70er Jahren finde ich mich  nicht täglich zur selben Zeit am selben Ort ein – Im Gegenteil, oftmals wähle ich programmatisch täglich andere Orte – meine Zeichenhaftigkeit erschliesst sich dem unkundigen Publikum manchmal mehr, manchmal weniger. Ich verstehe mich als Detektor, dessen Selbst-Wahrnehmung im urbanen Raum Basis ist für performative Kommentare. Letztlich ist der Faktor Zeit das Spannende, dass ich täglich Zeit aufwende, Lebenszeit als Kunstzeit einsetze in einer Zeit in der Zeit Mangel ist und Ware. „Ich forsche, ich übe, ich verhandle Kunst im öffentlichen Raum. „Ich suche und ver-suche in dieser Kontinuität“  lassen sich meine empirischen Zugänge beschreiben, die den Körper ins Verhältnis zur Umgebung setzen.

Meine Performances sind non-lineare Statements. Hier öffnet sich ein Paradoxon –

Kunst sieht sich mit der Aufgabe, Stellung zu beziehen konfrontiert, ohne sich aber in ihren Methoden von linearen Formen der Politisierung vereinnahmen zu lassen.

Die Subversivität dem Faktor Zeit gegenüber ist ein politischer Akt, ebenso wie der systematische, physische und performative Einsatz vor Ort. Es ist mittlerweile ein politischer Akt, sich Zeit zu nehmen. Ebenso muss sich wohl künstlerische Praxis strategisch auch zurückziehen können angesichts des extremen Wettbewerbs und resultierender Maximierung der Effizienz im Kampf um Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit in den Märkten der „Gesellschaft des Spektakels“. Sie muss sich nicht dem Diktat der Sichtbarkeit um jeden Preis unterwerfen.

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