Goldberg365_224_27.Okt.2016

Ohrenbetäubender Lärm. Ohrenbetäubender Lärm. In der Nähe wird Metall geschnitten, kreischende, jaulende, grelle Klänge. Kurz nach 18 Uhr wird die Strassenbeleuchtung eingeschalten, taucht das Dunkel unter der Brücke in ein müdes Licht. Schwere Dieselmotoren einer ganzen Flotte von Bussen, die nun einer nach dem andern den Parkplatz verlassen, weit ausholend auf die Strasse kurven.

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SERIE: GOLDBERG 365

 

Nummer: 365_224, 18 von 24/24

 Datum: 27.10. 2016

 Uhrzeit Beginn : 18.00

 Uhrzeit Ende: 18.45

 Dauer: 45 Min.

 Land : Österreich

 Ort/Stadt : Wien

 Adresse : Erdbergstrasse /int. Busbahnhof

 Geoposition : 48°11’27.82″N   16°24’49.88″E

 Fassung : Glenn Gould

 Sound via : MiniBox

 Partner/

Kollaborationen:

 Wetter : bewölkt,

 Temperatur : 12 Grad C

 Stichworte : Lärm, Metall, Dieselmotoren, Blick

 Streaming : 13 live, replay

 Zeugen: Wartende,Passanten,ZuschauerInnen

 Raummarker: Stephanie Rauch

 

Das Fixbpersonal dieses Abends besteht neben mir aus der Imbisstand-Verkäuferin, einem jungen Mann, der Taschen zu 5 € verkauft und dem Bettler mit Krücke und gelbem Becher.

Alle Geräusche vor Ort scheinen sich zu einer Woge zu verdichten, die über mich hereinbricht, eher noch, durch mich hindurchflutet.

Ins Tosen, das jegliche Ansätze von Form in mir zertrümmert erscheint der Taschenverkäufer, schreit mich an, „Du Kaufen Tasche!“, entdeckt die Screen des Phones, stellt sich knapp daneben, testet mit Fingern, dann Armen von Taschen behangen, ob er selbst abgebildet wird, springt freudig auf, als er sieht, dass es so ist, hüpft, imitiert Armbewegungen, die ich zuvor gemacht habe, versucht mir zwei Taschen überzuhängen, fordert mich auf, doch mit diesen zu tanzen. Ich trete zwei Schritte zurück, lade ihn ein zu performen, was er aber trotz seiner momentanen Euphorie nicht tut, eine seltsame Scheuh hält ihn ab.

Ich entwerfe Netze von Wegen entlang von Parallelen zum schräg liegenden Marker, die ich abgehe, verknüpfe, Schritte, die ins Leere zu führen scheinen. Kontinuierlich wogt der Lärm.

Die Verkäuferin sitzt auf dem Stuhl in der Ecke, die schweren Augenlider gesenkt, blickt auf ihr Phone in Händen. Dann hat sie es plötzlich am Ohr, schreit hinein, mehrmals und voller Wut, ich lese die Intensität ihres Schreies über die Bewegung des Körpers, ihre Schreie selbst gehen im Lärm unter.

Blinken, vor und hinter mir, das Licht von Scheinwerfern einparkender Wagen auf dem Körper, auf der Hand, die nun direkt und übergross abgebildet wird, da sie vor der kleinen Linse hängt, ich kauere am Boden, wippe langsam vor und zurück, in der Nähe des Speakers, so höre ich wenigstens ein bisschen Musik.

Rundherum ein Netz von Blicken, kurzen und beiläufigen, aber auch neugieriger, die etwas länger verweilen. Ich reduziere meine Bewegungen, werde zur Installation, Element der dynamischen Raumproduktion hier, die mich heute dominiert.

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