Goldberg365_228_31.Okt.2016

Das Unerwartete passiert – der grüne Flexibus rauscht heran, hält blinkend direkt vor mir. Leute strömen aus dem Fahrzeug, Handschläge, Umarmungen, Küsse, Begrüssungen, Gepäck, Hunde. Ich stehe mitten in der Ankunftsszene.

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SERIE: GOLDBERG 365

 

Nummer: 365_228, 22 von 24/24

 Datum: 31.10. 2016

 Uhrzeit Beginn : 22.00

 Uhrzeit Ende: 22.43

 Dauer: 43 Min.

 Land : Österreich

 Ort/Stadt : Wien

 Adresse : Erdbergstrasse /int. Busbahnhof

 Geoposition : 48°11’27.82″N   16°24’49.88″E

 Fassung : Glenn Gould

 Sound via : MiniBox

 Partner/

Kollaborationen:

 Wetter : leicht bewölkt,

 Temperatur : 09 Grad C

 Stichworte : Satz, Raum, Handlungsoption, Kreisen

 Streaming : 14 live, 9 replay

 Zeugen: Wartende,Passanten,Taxifahrer

 Raummarker: Stephanie Rauch

 

Der eben noch im leerenRaum, so fühlte sich das an, ausgelegte Marker, der schräg auf die weisse Abgrenzung zwischen Radweg und Gehsteig zuläuft, wird in diesem Trubel kaum bemerkt. Ich stelle mich vor die Mini Box um sie zu schützen.

Nein, ich agiere nicht wie Jack Nicholson als Schriftsteller in „Shining“ , der nur mehr immer wieder denselben Satz auf Blätter tippt, als ob er sich selbst täuschen wollte und durch das Geräusch des Tippens seiner Existenz als Schriftsteller versichern.

Dieser Raum hier ist nie derselbe, und eröffnet auch jedes mal neue Handlungsoptionen.

Performance als offene Frage. Performer als sich Aussetzender ohne Antwort. Diese kommt vielleicht später, im Rückblick, in der Differenz zum Vergangenen, als Echo auf die Dauer. Die Dauer eines Tages aufgeschnitten in seine Stundeneinteilung und täglich um eine Einheit verschoben. Das Kreisen um Fragestellungen der Raumproduktion. Das Faktische des Tuns als klares Programm. Die Aspekte von Verweigerung des Spektakels, als Voraussetzung für einen dritten Raum der Performance. Die Kontinuität als politisches Programm. Inmitten der Diskurse des Partizipativen der solitäre Vorschlag. Solo. Performer. Bewusst stehen, bewusst wahrnehmen, den Raum atmen. Das Aufeinandertreffen oder Nebeneinander von Kunst und Alltag, die flüchtigen Begegnungen. Fragen, ausgesprochene oder unausgesprochene, Verachtung ausgesprochene und unausgesprochene, aber auch freundliche Aufmerksamkeit, Staunen, Neugierde. Nun, gegen Ende der Serie am Busbahnhof die Frage nach der Fortsetzung. Diesen Raum, den ich kennengelernt habe weiter einbeziehen, als Referenz? Neue Räume seriell bespielen. Über andere Kontexte die Aktion politisieren?

 

Am Imbisstand geht der Tag langsam zu Ende, der Angestellte räumt draussen die Aschenbecher von den Tischen, kehrt stehengebliebene Becher in den Müll, zieht sich wieder in den Container hinter den Schalter zurück, putzt, verkauft eines der letzten Biere.

 

Drei junge Reisende sitzen wartend auf der Holzbank, zwei Männer, eine Frau, sie sehen indisch aus. Ab und zu ein Blick. Dass ich hier Musik höre wirkt in diesen Momenten selbstverständlich. Später naht ein Mercedes, wendet, hält seitlich . Die drei jungen Leute springen auf gehen zum Wagen, den einen stoppe ich mit dem linken Arm. Er wäre genau in die Mini Box und das streamende Phone getreten. Überrascht hält er inne, versteht und geht mit wiederholtem „sorry“ zur offenen Autotüre.

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