Goldberg365_237_09.Nov.2016

Eingeklemmt zwischen Baustellenzaun, eingerüsteter Fassade, Mülleimern und Strasse ist eine undefinierte Fläche entstanden, ein Übergangsraum, der nun im orangenen Flutlicht einer Strassenlampe liegt.

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SERIE: GOLDBERG 365

 

Nummer: 365_237

 Datum: 09.11. 2016

 Uhrzeit Beginn : 19.43

 Uhrzeit Ende: 20.29

 Dauer: 47 Min.

 Land : Österreich

 Ort/Stadt : Wien

 Adresse :Lindengasse/Stiftgasse

 Geoposition : 48°12’4.72″N     16°22’47.95″E

 Fassung : Glenn Gould

 Sound via : Phone

 Partner/

Kollaborationen:

 Wetter : bewölkt

 Temperatur : 03 Grad C

 Stichworte :

 Streaming : 1-  07 replay

 Zeugen: PassantInnen

 Raummarker: Stephanie Rauch

Der überdimensionierte Bundesadler der eine Auszeichnung der Firma Pittel-und Brausewetter beurkundet, ein Yamaha Mottorrad 500ccm mit abgeschlagenem Tanklack, ein Verkehrsschild, Metallpfosten, Laternenpfosten, die zahreichen Mülleimer, der patchworkartig zusammengesetzte Asphaltboden formen ein seltsames Ensemble, vereint und doch im Wettbewerb miteinander.

Mein Marker fällt kaum auf, zumindes den beiden jungen Frauen nicht, deren eine eine mechanisch anmutende Art zu gehen hat, deren andere ein Rad schiebt das sie ebenso achtlos darüber hinwegschiebt, wie sie selbst darauf treten.

Hinter dem Gerüst, vor der Kasernenfassade mit den erleuchteten Kellerfenstern kommen spärlich Menschen vorbei, die meisten mit Telefon in der Hand. Einer, ein Mann, bleibt länger, fast so, als ob er dezidiert mit mir tanzen würde. Er führt einen SmartphoneTanz auf, geht hin und her, stellt sich auf den Bordstein, lässt sich mit Schwung hinunterfallen, wirft seine Beine in die Höhe, geht im Kreuzschritt auf und ab.

Ich mache das alles nicht, heute. Ich stehe lange an der selben Stelle, atme, verschiebe die Gewichte minimal, hebe das Knie, hebe die Arme ein wenig, kippe die Fuss-Sohle des rechten Schuhs. Jede minimale Bewegung hat massive Konsquenzen, verändert den gesamten Körper. Es ist schwierig, konzentriert zu bleiben, und ich bin überrascht, dass ich meine Körpertemperatur halten kann, ohne grossräumige Bewegungen zu wählen, wie der telefonierende Nachbar, dem offensichtlich kalt ist. Ich gerate in den Sog einer Langsamkeit, die mich aufnimmt und durchdringt. Das Zeitgefühl verändert sich. Auf der gegenüberliegenden Strassenseite dreht eine Frau drei Mal den Kopf nach mir um und bleibt jedesmal andeutungsweise stehen. „Langsamkeit, wo führst Du mich hin?“, frage ich mich, ohne mich ihr zu entziehen. Satte, Bewegungen, die hier fliessen.

Jemand kommt, setzt sich auf eine von zwei verlassenen Parkbänken zur Strasse hin abgeschirmt von den mit frünlichen Baustellengewebe Zaunelementen. Setzt sich und nichts weiter. Raucht nicht, telefoneirt nicht, sitzt einfach nur so da, mit dem Rücken zu mir. Nach einer Drehung um 360 Grad, langsam natürlich, ist er weg.

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