Goldberg365_290_01.Jan.2017

Winterlicht. Weisslich, kalt, neblig, dampfend in der Kälte. Aus einem Abwasserschacht steigen Dampfwolken empor, in Wolken kondensiert auch mein Atem. Baustelle, neue Architektur, Kuben übereinandergeschichtet in riesiger Dimension. Dampfende Kälte und grell-weiss die Sonne sich langsam auf einer Bahn dem höchsten Würfel nähernd.

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SERIE: GOLDBERG 365

 

Nummer: 365_290

 Datum: 01.01. 2017

 Uhrzeit Beginn : 12.59

 Uhrzeit Ende: 13.43

 Dauer: 44 Min.

 Land : Österreich

 Ort/Stadt : Wien

 Adresse : Am Belvedere

 Geoposition : 48°11’9.76″N     16°22’48.20″E

 Fassung : Glenn Gould

 Sound via : Kopfhörer

 Partner/

Kollaborationen:

 Wetter : Sonne durch Nebel

 Temperatur : – 4 Grad C

 Stichworte : Winterlicht, Dampf, Kälte

Streaming : –,   replay

 Zeugen: PassantInnen,

 Raummarker: Stephanie Rauch

 

Kräne stehen still. Die Baustelle ruht. Einzig ein Wächter geht langsamen Schrittes am Bauzaun entlang. Von Ferne beobachtet er mich, je näher er kommt, est o gelichgültiger gibt er sich. Er bleibt nur wenige Meter entfernt stehen, sieht sich die menschenleere Baustelle an, geht dann weiter, schlurfenden Schrittes in seinem dunkelblauen SECURITAS Outfit.

Nur um wenige Minuten verschoben der Wächter des ERSTE Zentrums auf seinem Inspektionsgang, der ihn rund um das Gebäude führt. Er ist deutlich jünger, geht schnellen Schrittes entlang des Gebäudes, bestimmete Stellen betrachetet er genauer. Ohne zu zögern biegt er um die Ecke, verschwindet in der Tiefe des Geländes.

Die Himmelsrichtungen. Ich stehe Richtung Westen positioniert, atme, drehe mich langsam. Das Gewicht in die Fussohlen, in die Fussballen verlagernd, bevor ich den rechten Fuss sachte anhebe und leicht angwinkelt wieder aufsetze. Nördlicher. Ich bin unterwegs Richtung Norden. Ich lasse mir Zeit. Die Sonne streift meine Wange, dann, während ich mich weiter drehe spüre ich sie in Nacken. Nördlich. Nord. Norden. Der Marker ist auf einer Nord-Süd Achse ausgelegt. Rechts in meinem Blickfeld das beinahe lächerlich anmutende Holzhäuschen, dessen Weihnachtshüttencharme so gar nicht zur kalten Architektur rundherum passen will.

Ich drehe mich weiter, verlasse die nördliche Ausrichtung jetzt, drehe mich ebenso sacht und präzis in mehreren kleinen Schritten weiter nach Osten. Flaggen wehen im Wind, die eine hat er wohl zu stürmischeren Zeiten abgerissen.

Es kommen Spaziergänger vorbei. Eine Frau mit schwarzem Kopftuch und violetter Schürze. Eine Joggerin in schwarzem Sportdress.

Ich hebe meinen Fuss, erst den rechten, dann den linken positioniere sie neu, Richtung Sonne, Richtung Süden.

Jetzt lasse ich den Bewegungen freieren Lauf, Greife mit den Händen und Armen entlang des Körpers aus. Stosse mich an, schiebe mich aus dem einen Gleichgewicht in ein nächstes und wieder nächstes. Fast steht sie still, die Sonne, so scheint es. Der erste Tag des Jahres. „Arschlochjahr“ haben Künstler zu Silvester das scheidende Jahr benannt und es ohne zu zögern ziehen lassen. Rechtswende in Europa, Fremden- und Kunstfeindlchkeit. Dampfender Nebel, gelissendes Licht, beinahe Stillstand. Noch. Das Jahr ist frisch.

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