Goldberg365_335_15.Feb.2017

SERIE: GOLDBERG 365

 Seratonin beamt immer an denselben Ort

EAT THE RICH

IMG_3282 IMG_3281    IMG_3280 IMG_3279   IMG_3284 IMG_3283  IMG_3286 IMG_3285  IMG_3287 IMG_3278IMG_3288 IMG_3289

Nummer: 365_335

 Datum: 15.02. 2017

 Uhrzeit Beginn : 14.51

 Uhrzeit Ende: 15.35

 Dauer: 44 Min.

 Land : Österreich

 Stadt/Ort: Wien

 Adresse :

 Geoposition : 48°12’15.35″N    16°21’38.16″E

 Fassung : Glenn Gould

 Sound via : Kopfhörer

 Partner/

Kollaborationen:

 Wetter : Sonne

 Temperatur : 3 Grad

 Stichworte :Gewicht, Schriftzug, Schulter

 Streaming : –,   replay

 Zeugen: PassantInnen

 Raummarker: Stephanie Rauch

 

 

Glanz auf den Schienen.

Eine U-Bahn braust unter der Brücke hervor.

Legt sich in die weite Kurve.

Hütteldorf

 

Sie trägt den Schriftzug mit sich

Eine ganze U-Bahn

Schriftzug

Schriftzug

 

Entschwindet in die Kurve

Hütteldorf

 

HÜTTELDORF

 

Entschwindet

—————————————————————

 

Glanz auf den kleinen Wellen

Des Wien-Flusses

 

Der Glanz der ersten Frühlingsandeutung.

 

Ich sonne meine Hände.

Ich sonne meine Hände.

 

Silbern

Silbern

 

EAT THE RICH

EAT THE RICH

 

Licht auf Wangen

Licht auf Wangen

 

 

Beruhigend die Stimme einer Frau, die in ein Telefon spricht.

Beruhigend.

 

Bis die Stimme plötzlich weg ist

Bis die Stimme plötzlich weg ist.

 

Sie fehlt

Sie fehlt

 

————————————————————————————–

 

 

Ein Rabe im Wipfel eines Baumes voller Ast-Stutzen.

Der Rabe plustert seine Federn.

 

Alle wenden ihr Gesicht der Sonne zu

Alle wenden ihr Gesicht der Sonne zu

 

Die Frau auf der Parkbank schräg hinter mir.

Sie döst, dunkle Brille, die Hände

mit nach oben gerichtetn Handflächen

auf die Knie gelegt.

 

Ein Hund rennt aufgeregt.

Kinder laufen aufgeregt.

 

Das Wasser fliesst ruhig

Das Wasser fliesst ruhig

 

Gegenüber rauschen die Autos

Gegenüber rasuchen die Autos

 

Träge strecken die Häuser sich der Sonne entgegen

Träge srtecken die Häuser sich der Sonne entgegen

____________________________________________________________________________

 

Mit halbgeschlossenen Augen

Mit halbgeschlossenen Augen

 

Weit ins Licht gelehnt

Weit ins Licht gelehnt

 

Suche GEWICHT

Suche GEWICHT

 

Den Kopf nach vor geneigt

Den Kopf nach vor geneigt

 

Schriftzug verschwindet

Schriftzug verschwindet

 

Schulter schräg

Schulter schräg

 

Ein Schritt

Ein Schritt

 

Hände aufs Geländer und Brust auf Hände gestützt

Hände aufs Geländer und Brust auf Hände gestützt

 

Rechtes Knie hinter linkes Knie

Rechtes Knie hinter linkes Knie

Goldberg365_334_14.Feb.2017

SERIE: GOLDBERG 365

Ein Tag an dem die Tauben promenieren, locker landen sie an der Sonne, keck, zwei, drei, dann ein ganzer Schwarm, erheben sich als Wolke wenn sich PassantInnen nähern, jemand mit einem Rollkoffer oder eine Frau mit Hund.

 IMG_3274 IMG_3273 IMG_3272 IMG_3271 IMG_3270 IMG_3269 IMG_3268 IMG_3267IMG_3266 IMG_3277 IMG_3276 IMG_3275

 Nummer: 365_334

 Datum: 14.02. 2017

 Uhrzeit Beginn : 10.38

 Uhrzeit Ende: 11.22

 Dauer: 44 Min.

 Land : Österreich

 Stadt/Ort: Wien

 Adresse : Ceija Stojka Platz

 Geoposition : 48°12’26.81″N    16°20’35.26″E

 Fassung : Glenn Gould

 Sound via : Kopfhörer

 Partner/

Kollaborationen:

 Wetter : sonnig

 Temperatur : 3 Grad

 Stichworte :

 Streaming : –,   replay

 Zeugen: PassantInnen, AutofahrerInnen

 Raummarker: Stephanie Rauch

Ich benötige mehrere Versuche, den Marker aufzulegen, jedesmal fährt der Wind hinein und verwirft ihn. Erst als ich mir schon überlege, überhaupt mit dem Marker in Händen zu arbeiten, legt sich der Wind – und in der Folge der Marker auf den Boden.

Der Boden auf dem ich stehe, hat einen Namen. Noch frisch hängt die Tafel an einem Laternenmasten. Ceijka Stojka, Überlebende mehrere KZ´s. Strenge Schatten, und das Licht auf diese Erinnerung am sonnigen 14. Februar 2017.

Ich bewege mich kaum von meiner Position. Ich stehe, experimentiere mit Verhältnissen von Beckenpositionen und Füssen. Verschiebungen auf allen drei Achsen, wann „stimmt „ eine Position? Wann denke ich sie stimmt und wann stimmt sie wirklich?

An der Mauer, hoch oben hängt ein Mann an Seilen und repariert Löcher im Verputz. Ein zweiter Mann reicht ihm einen Eimer und assistiert ihm von einem darüber gelegenen Fenster aus. Ich entdecke noch einen dritten, der ähnlich ruhig steht, wie ich und die Szenerie beobachtet – er hält sich zwanzig Meter weiter entfernt auf, lehnt sich zuerst an ein Firmenfahrzeug, dann an die besonnte Kirchenmauer.

Ich räkele meinen Rücken, oder vielmehr untersuche die Dehnung des linken Arms nach hinten ungefähr auf Brusthöhe. Eine junge Frau beobachtet mich im Vorübergehen und lächelt mich an. Ihr Lächeln bleibt stehen, selbst als sie schon verschwunden ist.

Im Würstelstand unmittelbar vor mir entdecke ich drei Gläser mit Eingemachtem, Essiggurkerln, Paprika, Karotten.

Was verändert sich, wenn ich in einer gegebenen Position das Becken nach hinten schiebe? Wie gross sind meine Spielräume? Warum schmerzt mich die rechte Hüfte?

Was kann ich tun, mich an diesen Schmerz heranzuarbeiten?

Eine ganze Gruppe von Menschen nähert sich. Von der Kirchenmauer löst sich die Gestalt eines Mannes, der zur gerade anhaltenden Tram rennt, weisse Wolken aus seinem Mund ausstossend, sodass mir nicht klar ist, ob er raucht. Die Menschengruppe hält nun direkt vor mir, unterteilt in kleinere sich unterhaltende Konstellationen.

Goldberg365_333_13.Feb.2017

SERIE: GOLDBERG 365

 Unter der nun auf 4 Grad angestiegenen Temperatur schmilzt die gefrorene Oberfläche. Der Boden wird feucht. Profile ovn Fahrradreifen und Schuhen sind über die gesamte Strecke der Abkürzung verfestigt. Ein Print der alltäglichen Nutzung. Der Pfad führt quer durch eine nur mit niedrigen Büschen karg bewachsene Fläche hinunter zu den Zugängen der U-Bahnstation, die hinter dem Wendekreis der Tram liegen.

 IMG_3258 IMG_3257  IMG_3260 IMG_3259  IMG_3262 IMG_3261  IMG_3264 IMG_3263 IMG_3256 IMG_3265

Nummer: 365_333

 Datum: 13.02. 2017

 Uhrzeit Beginn : 13.20

 Uhrzeit Ende: 14.03

 Dauer: 43 Min.

 Land : Österreich

 Stadt/Ort: Wien

 Adresse : Hausfeldstrasse / U2

 Geoposition : 48°13’58.26″N    16°29’12.78″E

 Fassung : Glenn Gould

 Sound via : Kopfhörer

 Partner/

Kollaborationen:

 Wetter : sonnig

 Temperatur : 4 Grad

 Stichworte : Fuss, Unterschenkel, Knie

 Streaming : –,   replay

 Zeugen: PassantInnen, AutofahrerInnen

 Raummarker: Stephanie Rauch

 

Weiss flutet Sonnenlicht, lässt den Acker dampfen, der hier eine Leerstelle in der wachsenden Stadt markiert.

Unablässig takten die Ampeln den Verkehr. PKW´s und Lastwagen bremsen, halten, warten, starten ihre Motoren und fahren weiter.

Ein Mann in einem roten, wattierten Parka, dessen Kapuze mit Pelz umfasst ist, nähert sich, rundliche Gestalt, trägt schwarze Jeans und Sportschuhe. Seine Jacke wird rückseitig schräg von einer gefalteten Zeitung gehalten, die er in die Gesässtasche seiner Hose gesteckt hat, ein U-Bahnblatt. Er bleibt bei der Ampel stehen, sieht sich suchend um, kommt zurück.Im Vorbeigehen sehe, dass er mit einem Stift auf einen kleinen Block malt, wie ihn Kellner verwenden um Bestellungen aufzunehmen, oder diese beim Abrechnen zusammenzuzählen. Ich erkenne viereckige Formen, eine Art Plan.

Erneut geht er an mir vorüber und kehrt etwas später in Begleitung einer jungen Frau zurück, auch sie von rundlicher Gestalt, fülliger als die seine, die Knie nach innen gewandt geht sie mit kleinen Schiritten neben ihm her.

Ich selbst bewege mich eher nur kleinräumig am oberen Ende des Markers, den ich auf den aspahltierten Gehsteig ragen lasse, wo kreisförmige,blau-weisse Icons für Fahrradfahrer und FussgängerInnen auf dem Belag prangen.

Ich untersuche den Spielraum, den mir bestimmte Grundpositionen mit den Füssen geben, die ich rechtwinklig zueinander positioniere, und jeweils die Distanzen zwischen ihnen verändere. Ich schiebe mein Gewicht völlig auf den linken Fuss, hebe den rechten, kreuze den Unterschenkel ihn hinter und unterhalb des linken Knie´s , sinke leicht tiefer, gebe kleine Impulse mit dem Becken. Ich bin ganz vertieft in meine Forschung. Beiläufig sehe ich, wie mein Paar, er mit der roten Parka, sie mit einem schwarzen, gemeinsam in einer der Toiletten unten bei der U-Bahnstation verschwindet.

Einige Zeit später kommen sie wieder zum Vorschein, watscheln langsam zur Haltestelle unter der Brücke. Ich sehe noch, wie er mit beiden Händen ihren Kopf fasst, liebevoll eigentlich, auf sie einredet, dann wende ich mich ab und wieder dem Fluss meiner Bewegungen zu.

 

 

Goldberg365_332_12.Feb.2017

SERIE: GOLDBERG 365

 Eine noch halb intakte Wohnlandschaft vor der Betonmauer der Bahnanlage mit der russischen Schrift darüber setzt einen seltsamen Akzent in den beinahe verlassenen Platz.

 IMG_3248 IMG_3247  IMG_3250 IMG_3249  IMG_3252 IMG_3251  IMG_3254 IMG_3253 IMG_3246 IMG_3255

Nummer: 365_332

 Datum: 12.02. 2017

 Uhrzeit Beginn : 15.48

 Uhrzeit Ende: 16.32

 Dauer: 44 Min.

 Land : Österreich

 Stadt/Ort: Wien

 Adresse : Matzleinsdorferplatz

 Geoposition : 48°10’46.98″N    16°21’30.39″E

 Fassung : Glenn Gould

 Sound via : Kopfhörer

 Partner/

Kollaborationen:

 Wetter : bedeckt

 Temperatur : 2 Grad

 Stichworte : VOLVO, BMW, MERCEDES

 Streaming : –,   replay

 Zeugen: PassantInnen,

 Raummarker: Stephanie Rauch

 

Gegenüber der verlassen dastehenden, schwarzen Kunstleder- Sitzgarnitur steht ein fünfachsiger VOLVO 460 Lster. Am oberen Ende des Platzes sprechen zwei jüngere Männer, von denen der eine eine einen Mercedes fährt.

Ein schwarzer BMW biegt schnell auf den Platz ein, stösst sich dabei die Schnauze am Boden. Als ob das Geräusch ein Signal wäre, verabschiedet sich deiner der Männer hastig, springt in seinen mecedes, ebenfalls schwarz und fährt los.

Im Gehen die richtige Bewegung finden, in den Kurven, Drehungen initiieren. Ich stehe auf einem Bein, hebe das andere, das rechte und spiele mit unterschiedlichen Winkeln, in denen ich es vom Körper wegstrecke, mit unterschiedlichen Biegungsgraden.

Drei Männer kommen vom Bahnhof. Einer imitiert mich, ich lache, winke, die Männer nähern sich, einer reicht mir die Hand. Der Imitator wendet sich der Sitzgarnitur zu, spricht mich in einer Sprache an, die ich nicht verstehen, ja nicht einmal zuordnen kann.

„Kaputt!“, sagt er dann, ich nicke, „Ja , kaputt!“. Darauf ziehen die drei wieder ab, verschwinden hinter dem Lastwagen.

Über mir fliegen Flugzeuge Richtung Ost-Südost, im Landeanflug auf Schwechat. Die Spätnahmittagsmaschinen.

Im Westen zeigt sich ganz kurz die Sonne als fahle Scheibe, die sofort wieder von Wolken verdeckt wird.s

Der BMW in den sich die zwei Männer zurückgezogen haben sendet immer mal wieder Signale. Die Nummernschildbeleuchtung geht an und aus. Die Bremslichter leuchten auf.

Der Rückwärtsgang wird eingelegt, ohne, dass sich das Fahrzeug bewegt.

Ich überrasche mich mit schnellen Sequenzen, fliege über den Kies, werfe mich herum, atme in kalte Windböen. Blumen 2000, das Geschäft hat auch am Sonntag geöffnet und regelmässig parken Fahrzeuge, Menschen steigen aus, gehen ins Innere, kommen mit verpackten Sträussen heraus.

Mitten in die finale Aria beginnt Glockengeläute, laut und übertönend aus der Kapelle im Friedhof schräg gegenüber. „ Totenglocken“ schiesst mir durch den Kopf und Tränen in die Augen. Wer ist hier gemeint? Fassunslos weine ich, drehe mich, stelle mich vor das kapuutte Sofa, hoffe, dass niemand mich sieht, unterdrücke das Weinen schliesslich, trockne mir die Tränen, immer noch ängstlich, jemand könnte mich sehen und für völlig verrückt halten.

Goldberg365_331_11.Feb.2017

SERIE: GOLDBERG 365

 Die Bänke stehen unbenutzt, rahmen einen kleinen Platz auf dem Platz, der wiederum in weitere Plätze aufgeteilt ist. Unterhalb ein eingezäuntes Feld mit Hochbeeten, oberhalb eines mit drei Efeuüberwucherten Sträuchern und – einem Schneemann drin.Bei näherem Hinsehen zeigt sich ein Rabe, der auf dem Kopf des Schneemannes hockt und mit seinem Schnabel Schneestücke heraushackt.

 IMG_3237 IMG_3236  IMG_3239 IMG_3238  IMG_3241 IMG_3240  IMG_3243 IMG_3242  IMG_3244 IMG_3235IMG_3245

Nummer: 365_331

 Datum: 11.02. 2017

 Uhrzeit Beginn : 14.55

 Uhrzeit Ende: 12.57

 Dauer: 43 Min.

 Land : Österreich

 Stadt/Ort: Wien

 Adresse : Albertplatz

 Geoposition : 48°12’50.19″N    16°20’37.31″E

 Fassung : Glenn Gould

 Sound via : Kopfhörer

 Partner/

Kollaborationen:

 Wetter : bedeckt

 Temperatur :  1 Grad

 Stichworte : Rabe,Schneemann, Sitzbank,

 Streaming : –,   replay

 Zeugen: PassantInnen,

 Raummarker: Stephanie Rauch

 

Der Himmel verdüstert sich, immer wieder fallen heftige Böen ein.

Der Rabe schwingt sich auf und fliegt weg.

Die Umgebung zerbricht in Blickfragmente. Das ausgebaute oberste Stockwerk eines Gemeindebaues. Eine Skulptur ein paar Autodächer überragend. Das Fahrradschloss, mit dem das Tor zum Garten gesperrt ist. Container für die Müllsammlung.. Die aufgesprühten Schriften auf der rötlichen Hauswand direkt vor mir. Die Architektur der noch verbliebenen älteren Häuser und diejenige der neu hinzugebauten. Die Unregelmässigkeit des Kopfsteinpflasters, auf dem ich mich bewege. Die Werbung für ein chinesisches Studio „LOTUS“ im Schaufenster eines der älteren Gebäude. Die österreichische Fahne auf Halbmast auf dem Dach desselben.

Ich lege den Kopf leicht in den Nacken, blicke auf, zum Himmel. Grau. Graue Töne. Wolkiger Nebel, Treibender wolkiger Nebel. Ein einzelnes, offenes Fenster. Im Inneren eines Raumes brennt Licht. Die Zeit bewegt sich langsam an diesem Nachmittag. Gedehnte Zeit. Geparkte Autos in gedehnter Zeit. Die Sprühzeichen an der Wand, gedehnt. Der Laut, mit dem die Deckel von Müllcontainern zufallen. Gedehnt. Der beobachtende Blick von Passanten, die den Kopf drehen, gedehnt.

Ein Auto blinkt, biegt rechts ein, findet einen Parkplatz. Der Fahrer steigt aus. Ich drehe mich nach links, gedehnt. Später sehe ich den Mann gehen mit einer Menge von Skistöcken, die er zu einer Art Arrangement geordnet hat und nur in der einen Hand hält. Eine gehende Skulptur. Die Stöcke sind weiss, Schwarz, rot, gelb.

Ich stütze mich nun mit beiden Händen auf eine der Sitzbänke, neige den Kopf , strecke das rechte Bein in die Höhe und lasse es diagonal zur linken Hüfte ziehen, was eine angenehme Dehnung im Rücken und auf der Innenseite des Oberschenkels erzeugt. Als ich langsam wieder ins Stehen komme und mich umdrehe biegt ein Paar mit Kinderwagen ein. Ich bin etwas überrrascht, hatte mich beinahe daran gewöhnt, hier alleine zu sein. Die Frau bleibt stehen, der Mann setzt sich auf eine Bank. Ich drehe mich in kleinen Schirttten weiter. Mit dem nächsten Windzug erhebt sich der Mann, und beide machen sich wortlos wieder auf den Weg.

Goldberg365_330_10.Feb.2017

SERIE: GOLDBERG 365

Der Platz liegt winterlich verlassen im Blick der Häuser rundherum. Ein verbleichendes Farbfeld J5 wirkt kryptisch. Der Wind erfasst gleich zu Beginn den Marker, den ich schräg dazu aufgelegt habe und wirft ihn zu einem Knäuel.

 IMG_3226 IMG_3225  IMG_3228 IMG_3227  IMG_3230 IMG_3229 IMG_3230 IMG_3231IMG_3232 IMG_3231 IMG_3224 IMG_3233 IMG_3234

Nummer: 365_330

 Datum: 10.02. 2017

 Uhrzeit Beginn : 12.14

 Uhrzeit Ende: 12.57

 Dauer: 43 Min.

 Land : Österreich

 Stadt/Ort: Wien

 Adresse : Schillerplatz

 Geoposition : 48°12’7.97″N     16°21’55.97″E

 Fassung : Glenn Gould

 Sound via : Kopfhörer

 Partner/

Kollaborationen:

 Wetter : bedeckt

 Temperatur : 2 Grad

 Stichworte : Marker, Rucksack, Denkmal, ich

 Streaming : –,   replay

 Zeugen: PassantInnen,

 Raummarker: Stephanie Rauch

 

Hunde und BesitzerInnen bestimmen das Bild. Ein Golden Retriever zerrt sein Frauchen über Platz und Wiese zu einem Gefährten.

Zwei Terrier beschnuppern sich und lernen sich kennen, was von ihren Besitzern toleriert wird, sie wirken routiniert, sprechen kein Wort miteinander.

Ein schwarzer Mops mit roter Winterdecke erscheint, bleibt furchtsam stehen, als er meiner Anschtig wird, ich spreize gerade einen angwinkelten Arm vom Körper weg.

Vor dem nahen Nobelhotel le Meridien stehen schwarze Nobellimousinen. Gegenüber unterhalten sich zwei Männer in Anzügen, steigen in einen weissen Nissan SUV und fahren weg.

Der Wind , der immer wieder mit heftigen Böen einfällt platziert den Marker um. Er wird das noch 10 Mal machen.

 

Marker, Rucksack, Denkmal, ich.

Marker, Rucksack, Denkmal, ich.

 

Vier Punkte, von denen zwei, der Marker und ich dynamisch sind.

Ein Mann ohne Jacke geht mit einem Telefon herum, bleibt aber am Rand des Platzes.

Zwei Touristen erscheinen, bleiben vor dem Marker stehen, betrachten ihn längere Zeit, bevor sie darum herum gehen und sich und ihre Mobiltelefone vor dem Schillerdenkmal in Stellung bringen..

Eine Gruppe von drei Männern betritt den Platz von links, sie gehen genau in der Mitte der Distanz zwischen Marker und mir durch, auf einer imaginären Diagonalen. Das kreiert einen Sog, der mich zum Rand der asphaltierten Fläche gehen lässt und dann ein paar Schrittte entlang Richtung Akademie. Zwei Frauen queren den Platz auf der anderen Seite, Impuls, mich in die Nähe des Markers zu begeben. Hier bewege ich mich am Ort, beuge den Oberkörper, sende meine Arme aus. Der Wind hebt den Marker kurz an, lässt ihn genau auf das Ende einer Variation fallen. Ich verharre kurz, mache dann weiter in meinem Versuch, den Raum zu fassen. Blicke von zwei Männern, die vor der Akademie stehen, überrascht.

Von hinten rollt ein Elektromobil heran, gefahren von einer Frau in einer grünen Arbeitsuniform. Neben ihr sitzt ein ebenso gekleideter Mann. Beide steigen aus, gehen auf den Marker zu, stellen dann eine mögliche Beziehung zu mir her. Die Frau fragt:“Gehört der Ihnen?“ . Ich nicke. Die beiden wenden sich ab, entleeren einen Papierkoorb.

Alltagschoreografien.

Ich setze den rechten Fuss im rechten Winkel zum linken in einer Distanz von einer Fusslänge auf. Langsam lasse ich den Oberkörper sinken.

 

Goldberg365_329_09.Feb.2017

SERIE: GOLDBERG 365

 

Feine Schneeflocken treiben vereinzelt im Wind, ein Spiel unterhalb der Wolken, hinter denen die Sonne als leuchtende Scheibe am Himmel steht.

IMG_3216 IMG_3215   IMG_3212 IMG_3211    IMG_3214 IMG_3213    IMG_3218 IMG_3217  IMG_3210 IMG_3220IMG_3219

Nummer: 365_329

 Datum: 09.02. 2017

 Uhrzeit Beginn : 12.00

 Uhrzeit Ende: 12.43

 Dauer: 43 Min.

 Land : Österreich

 Stadt/Ort: Wien

 Adresse : U2 Station Aspern Nord

 Geoposition : 48°14’2.67″N     16°30’12.79″E

 Fassung : Glenn Gould

 Sound via : Kopfhörer

 Partner/

Kollaborationen:

 Wetter : Sonne hinter Wolken

 Temperatur : 0 Grad

 Stichworte : Luftschritte, Schneeflocken, Gespensterarmeen

 Streaming : –,   replay

 Zeugen: PassantInnen, Busfahrer

 Raummarker: Stephanie Rauch

 

Feine Schneeflocken treiben vereinzelt im Wind, ein Spiel unterhalb der Wolken, hinter denen die Sonne als leuchtende Scheibe am Himmel steht.

Bauzäune auf beiden Seiten des frisch asphaltierten Weges, der über einen Damm mit steil abfallenden Seiten zur Brücke über die Bahnlinien führt. Auf dem Asphalt liegt Kies, deutlich sind langgezogene Kratzer im Belag zu sehen, die Spuren, welche die Kiesel eingekerbt ahben, als sie beim Pfaden unter den Schneepflug gerieten und unter Druck vorwärts geschoben wurden.

Die alte Strasse endet bei der Aufschüttung zum Damm, ein Überbleibsel, lose gesperrt durch die allerdings geöffneten Gitterelemente eines Bauzauns. Behutsam versetze ich mich in Bewegung, deute Schritte an, ohne dass ich den Fuss jedoch auf den Boden setze.

Luftschritte

Luftschritte

Den Kopf leicht gesenkt betrachte ich die Muster vor den Füssen, hebe ihn leicht an, blicke in die Weite, gerastert durch die Draht-Rechtecke. Hebe ihn weiter, den Kopf, während der Körper beinahe still bleibt,

Wolken

Wolken

Über der Silhouette der neuen Stadt

Über der Silhouette der neuen Stadt

Niemand ist hier oben ausser mir, die Holzlatten formen im Abstand der Gitterelemente Portale, Portale, die ich durchschreite, durchtanze,

Portale, welche mich meine Schritte würdig aufsetzen lassen, was ist das, würdiges Aufsetzen der Schritte?, der Füsse auf diesen Boden, von dem der Wind den Staub weggeblasen hat, aber nicht die Kiesel, dieser Weg am Beginn seiner Funktion, oder beinahe am Beginn, dieser Weg, dessen Beleuchtung noch fehlt, im unteren Teil, der gerade im Zustand des Übergangs wie für prunkende, majestätische Gänge geschaffen scheint. Gänge, die hier nur von Gespenstern gesetzt werden, nachts , im Halbdunkel, in das die neue Beleuchtung Kegel und Kreise schneidet. Umzüge der Gespensterarmeen hier, der Tausenden Toten, welche sich nun über die neuen Schanzen bewegen in feierlichen Formationen und bleich dem dunkleren Dunkel entgegenstreben.

Die Füchse und Rehe haben sich wohl zurückgezogen, mittlerweilen, verfolgen das Treiben von Ferne. In regelmässigen Abständen singen die Elektromotoren der U-Bahn, die sch auf den Weg über den langen Bogen ihrer Trasse macht, Richtung Zentrum.

Mein Füsse, meine Bein, die sich nun ihren eigenen Weg suchen, den Boden aufnehmen, ihn wieder abgeben, das Gewixht fliessen lassen, die Impulse weiterleiten, in den schwingenden Körper, in die Arme, die sich ausbreiten, welche ein Geflecht unsichtbarer Lnien erzeugen, eine dreidimensionale Zeichnung, die kurz dem Wind widersteht, kurz gescannt durch die Pikslestruktur der Bauzäune schon nicht mehr gewesen ist.

Von der Haltestelle nun die Blicke der aussteigenden Busnutzerinnen und mehr noch der Bus-Fahrer, einer ist ausgestiegen, telefoniert, während er zu mir hochsieht und ich zu ihm hinunter und die Flocken schweben, tanzen im Wind, so wie ich schwebe und tanze als hielte ich mich im Nichts, hielte mich am nichts, das meine Finger berühren, in das sie weisen, und ihre Kreise zeichnen. Mit den Spitzen taste ich leuchtende Linien entlang, eine Schrift , die ich nicht zu entziffern vermag, Sensationen, das Unlesbare, für Blinde am Tag, imaginierte Wärme, imaginiertes Leuchten, Leuchtschrift. Leuchtschrift,

leuchte Leuchtschrift

leuchte Leuchtschrift